Huang Shu

Praxis für Akupunktur

David Weber

Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom

in Traditionelle Chinesische Medizin TCM


 Traditionelle Chinesische Medizin


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Allgemeines

Seit Jahrtausenden wird die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) als wirksames Heilsystem angewendet. Sie wurde hauptsächlich durch Beobachten, Bewerten und Analysieren von Abläufen und Zuständen entwickelt. Zu ihren Anwendungsmethoden gehören Akupunktur, Moxibustion, Kräuterheilkunde, Ernährungslehre, Tuina/Anmo (Chinesische Massage), Qigong und Taijiquan (Bewegungsübungen).

Die TCM betrachtet den Menschen als Ganzheit – mit all seinen körperlichen und mentalen Funktionen.

Im ganzen Körper fliessen energetische Ströme, genannt „Qi“. Dieses Qi fliesst dem Wasser gleich durch den Körper – auf Bahnen, die als Meridiane oder Leitbahnen bezeichnet werden.

Solange das Qi ungehindert in seinen Bahnen fliesst, ist der Mensch gesund. Krankheiten werden hauptsächlich durch gestörte Energieflüsse ausgelöst. Somit ist das Ziel der Behandlung, dem Qi wieder zu einem ungehinderten Fliessen zu verhelfen.

Der Energiefluss im Körper kann durch diverse Einflüsse beeinträchtigt werden: äussere pathogene Einflüsse wie Wind, Kälte, Hitze, Feuchtigkeit und Trockenheit, innere Ursachen wie übermässige Emotionen, Zorn, Trauer, Euphorie, Sorge und Angst, aber auch eine unausgeglichene Ernährung und Überanstrengung. 

„Der Mensch lebt inmitten von Qi und Qi erfüllt den Menschen. Angefangen bei Himmel und Erde bis zu den zehntausend Wesen braucht alles Qi, um zu leben“

(Baopuzi, Chinesischer Philosopch, ca 320 n. Chr.)


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Grundprinzipien

Die Chinesische Medizin hat sich aus den Grundsätzen des Daoismus entwickelt. Diese basieren auf der Beobachtung der Natur und der Art, wie sie funktioniert. Die Chinesische Medizin geht davon aus, dass sich die Wechselspiele der Natur auch im Körper manifestieren. 

Die zwei wichtigsten Konzepte, auf die sich die Chinesische Medizin bezieht, sind die Theorie von Yin und Yang sowie das System der Fünf Elemente.


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Yin und Yang

Das Konzept von Yin und Yang wurde aus der Beobachtung der materiellen Welt entwickelt: Die Natur stellt Paare gegensätzlicher Begriffe zusammen, von denen ein jeder den anderen bedingt. So ist zum Beispiel der Begriff „Nacht“ ohne den Begriff „Tag“, der Begriff „oben“ ohne „unten“ sinnlos. Das chinesische  Zeichen für Yin wird wörtlich als „die dunkle Seite des Berges“ übersetzt und steht für Eigenschaften wie Kälte, Ruhe, Passivität, Dunkelheit, innen und (verborgene) Fähigkeiten. Das Yang-Zeichen bedeutet wörtlich „die helle Seite des Berges“ und drückt Wärme, Aktivität, Helligkeit, aussen und Ausdruck aus.

Unser Leben ist definiert durch den andauernden Fluss oder die ständige Bewegung zwischen den beiden Polen Yin und Yang.

Das Leben ist definiert durch den andauernden Fluss oder die ständige Bewegung zwischen den beiden Polen Yin und Yang.

Verschiedene Aspekte von Yin und Yang:

Yang:

Yin:

Himmel

Erde

Sonne

Mond

Tag

Nacht

Feuer

Wasser

Männlich

Weiblich

Geben

Empfangen

Jung

Alt

Das traditionelle daoistische Symbol veranschaulicht die Theorie von Yin und Yang auf ausgezeichnete Weise. Der Kreis, der das Ganze repräsentiert, ist in Yin (schwarz) und Yang (weiss) unterteilt.

                          

Die kleinen Kreise in gegensätzlicher Farbe zeigen, dass in Yin auch Yang enthalten ist – und umgekehrt. Die geschwungene Teilungslinie verdeutlicht das dynamische und fortwährende Ineinanderfliessen von Yin und Yang: Sie schaffen einander, kontrollieren einander und verwandeln sich ineinander

Die Chinesische Medizin betrachtet den Körper als Yin- und Yang-Muster. Ein dynamisches Gleichgewicht der beiden bedeutet Gesundheit. Umgekehrt weist Krankheit auf eine Disharmonie von Yin und Yang hin.

Im menschlichen Körper werden Yin und Yang durch Wasser und Feuer repräsentiert. Zu viel Yin kann demnach zuviel Feuchtigkeit oder Kälte im Körper bedeuten, während zu viel Yang den Körper überhitzen und austrocknen kann.

 

Grundsätzlich können alle Krankheiten auf ein Ungleichgewicht von Yin und Yang zurückgeführt werden.


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Die Fünf Elemente

Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser 

Auch die Theorie der Fünf Elemente ist aus der Beobachtung der Natur entstanden. Ein Hauptmerkmal der Natur ist der ständige dynamische Wechsel: Die Saat wächst zur Pflanze an, die abstirbt und zur Erde zurückkehrt. Dies findet im Rahmen der Jahreszeiten statt. Das Chinesische Medizinsystem übernimmt diese Bilder. Das System der „Fünf Elemente“ oder „Fünf Wandlungsphasen“ verdeutlicht dies auf anschauliche Weise: Der Winter (Wasser) verwandelt sich durch das Frühjahr (Holz) in den Sommer (Feuer), der sich durch den Herbst (Metall) wieder in den Winter zurückverwandelt. Der Übergang von einer Jahreszeit in die andere wird dem Element Erde zugeschrieben. Auch der Spätsommer wird oft als Jahreszeit der Erde angesehen.

Jedes Element besitzt eine Serie von Eigenschaften, die sowohl mit der Umwelt als auch mit dem menschlichen Körper in Verbindung stehen. So steht Feuer für die Jahreszeit Sommer, für das Organ Herz, für die Farbe rot und die Himmelsrichtung Süden.

„Die fünf Elemente sind Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde. Wasser befeuchtet nach unten, Feuer schlägt nach oben, Holz kann gebogen und geradegerichtet werden, Metall kann geformt werden und erhärten, die Erde erlaubt säen, wachsen und ernten.

(„Shang Shu“, ca 1000 v. Chr.)

Holz

Feuer

Erde

Metall

Wasser

Jahreszeit

Frühling

Sommer

Spätsommer

Herbst

Winter

Himmelsrichtung

Osten

Süden

Mitte

Westen

Norden

Klima

Wind

Hitze

Feuchtigkeit

Trockenheit

Kälte

Farbe

grün

rot

gelb

weiss

Blau/schwarz

Geruch

ranzig 

verbrannt

duftend

verwesend

faulig

Geschmack

sauer

bitter

süss

scharf

salzig

Yin-Organ

Leber

Herz

Milz

Lunge

Niere

Yang-Organ

Gallenblase

Dünndarm

Magen

Dickdarm

Blase

Öffnung

Augen

Zunge

Mund

Nase

Ohren

Gewebe

Sehnen

Blutgefässe

Muskeln

Haut

Knochen

Gefühl

Ärger

Freude

Schwermut

Kummer

Angst

Stimme

Schreien

Lachen

Singen

Weine

Stöhnen

Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Elemente werden durch zwei Zyklen dargestellt: den Shen- sowie den Ko-Zyklus.


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Der Shen-Zyklus

Gegenseitige Erzeugung der Unterstützung

Dieser Zyklus zeigt, wie sich die Elemente – und damit auch die Organe – gegenseitig unterstützen und fördern: Feuer brennt, um Erde zu erzeugen, Wasser nährt das Wachstum des Holzes und so weiter. Auf das Organsystem übertragen lassen sich vergleichbare Verwandtschaften entwickeln: Das Herz unterstützt die Milz, die Milz die Lungen usw.

Dies wird als „Mutter-und-Sohn“-Zyklus bezeichnet. So ist die Niere „Mutter“ für ihren „Sohn“, die Leber. Wenn es an Nieren-Yin mangelt, führt dies häufig zu einem Mangel an Leber-Yin, und die „Mutter“ kann benutzt werden, um den „Sohn“ zu behandeln.
 


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Der Ko-Zyklus

Zyklus der gegenseitigen Kontrolle

Dieses System bezieht sich auf die Art, wie sich die Elemente der Natur als Teil des dynamischen Ausgleichs kontrollieren. So „kontrolliert“ Feuer Metall, wie es Metall schmelzen kann, während Wasser Feuer „kontrolliert“. In der Chinesischen Medizin bedeutet Kontrolle einen Teil des Prozesses, indem ein Organ das andere unterstützt. Entsteht eine Disharmonie, kann ein schwaches Organ die Kontrolle und Unterstützung, die ein anderes benötigt, nicht mehr ausüben. Bei schwacher Lungenenergie etwa wird die Leberenergie nicht mehr genügend kontrolliert und steigt an. Dies kann sich in Kopfschmerzen und Bluthochdruck äussern. Wird die Milz zu feucht, kann sie die Fähigkeit der Leber hemmen, Energie durch den ganzen Körper zu schicken.

 

Die Konzepte von Yin und Yang sowie der Fünf Elemente zeigen deutlich, worauf die Chinesische Medizin baut: auf den daoistischen Ansatz von Ausgewogenheit, Entwicklung und Harmonie in der Natur.

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David Weber
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